10. Oktober 2014

Wiener Nähte: FBA-Alternative für die Herbstjacke

Was tun, wenn's vorne eng wird?


"Full-bust-adjustment!" schallt es prompt aus der internationalen Nähnerd-Community zurück, und auch ich war vor einem Jahr zugegebenermaßen begeistert, beim Wiedereinstieg ins Benähen meines Muttertierkörpers diese Zauberformel zu entdecken, die Ende der 1990er der breiten Hobbyschneidermasse jenseits des B-Körbchens noch nicht zur Verfügung stand (und vermutlich durch flaches Atmen kompensiert werden musste). Ich habe keine genaue Erinnerung mehr an diese Zeit (Sauerstoffmangel?).

Die FBA hat mir also wirklich geholfen. Bei figurbetonten Kleidern mit schmal geschnittenen Ärmeln blieb die Methode allerdings nicht ganz nebenwirkungsfrei - sie hat nämlich auch die Verformung des Armausschnitts zur Folge. Die beiden so entstandenen Kleider wurden letzlich entsorgt - irgendwie hat es an den Ärmeln immer "gezwackt".

Das will ich bei meiner Herbstjacke natürlich vermeiden. Ausserdem braucht die mit Wiener Nähten gearbeitete Jacke eine Oberweiten-Anpassung, die mangels profunder Erfahrungswerte ohnehin gegoogelt werden musste. Dabei stolperte ich über diese Seite mit einer textreichen Kurzanleitung bei Prinzessnähten (Teilungsnaht im Armloch). Danke für den Post, Frau sewinggalaxy, da hab ich wieder was gelernt!

Und weil ich so anleitungslesefaul bin, habe ich beim Umdenken für meine Wiener Nähte (Teilungsnaht in Schulternaht) gleich fürs nächste Mal mitfotografiert:

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1: Eine Kopie des Originalschnitts ohne Nahtzugabe anfertigen.
Vom Brustpunkt (BP) im rechten Winkel zum Fadenlauf eine Querlinie ziehen/ Linie 1
Schulterpunkt mit dem so entstandenen Kreuzpunkt verbinden und im rechten Winkel eine Linie bis zur Seitennaht ziehen/ Linie 2

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2: Linie 2 einschneiden bis kurz vor Schulterpunkt.
Von dort aus das Armloch um die benötigte Mehrweite nach außen drehen (für C-Körbchen-Anpassung 1-1,5 cm pro Seite), den so entstandenen Keil mit Papier unterlegen & fixieren.

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3: Jetzt Linie 1 vom BP bis kurz vor Fadenlauflinie einschneiden. Um diesen Ankerpunkt herum den Keil zur Seitennaht zudrehen & fixieren. 
Direkt unterhalb des BP öffnet sich ein kleiner Keil. Diesen mit Papier unterlegen & fixieren.

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4: Vom BP aus erneut einschneiden wie bei Abb.3 und Schnitt bis kurz vor die Seitennaht verlängern (diese Verlängerung weicht leicht von der urspünglichen Linie1 ab) / Linie 3
Von dem Punkt aus den oberen Teil um die benötigte Mehrlänge hochdrehen (für C-Cup ca. 2cm, die anderen Cup-Maße hab ich irgendwo auch gesehen, aber nicht mehr gefunden).
Mit Papier unterlegen & fixieren.

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5: Die Lücke an der Seitennaht ebenfalls unterlegen & fixieren, anschließend Armloch und seitliche Taille neu verbinden, um die ursprüngliche Taillenweite wieder herzustellen.
Den Fadenlauf vom unteren Teil übernehmen und nach oben verlängern.

Das Angleichen der Mehrlänge aus 3 + 4 am vorderen Mittelteil nicht vergessen!


Hier zum Vergleich der "neue", unveränderte Armausschnitt (oben) und der Armausschnitt, wie er nach einer FBA aussehen würde (im Bild unten liegend). Die Mehrweite & -länge beider Schnittteile sind ansonsten identisch.
Was für den C-Cup fast noch moderat aussieht, wäre bei größeren Cups noch viel stärker verzerrt. 

Für welchen Cup auch immer man die Anpassung vornimmt - so lässt sich ab jetzt wieder mit unverfälschtem Armausschnitt tief einatmen.






1 Kommentar:

  1. Vielen Dank für die ausführliche Erklärung. Ich kann bei dem Cup E das gut gebrauchen.
    LG
    Aurelija

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