29. August 2014

Sommerkleid mit ohne

Dass ich bisher noch keinen serientauglichen Schnitt für ein figurbetontes Kleid mit Ärmeln gefunden habe, hat mich lange Zeit ziemlich frustriert. Trotzig wie ein Kleinkind nähte ich mir deshalb beim letzten Nähtreff eines ohne - und war glücklich!
Der plötzliche Sommerschwund neulich sorgte dafür, dass das Kleid gleich danach in den Schrank wanderte. Gestern nachmittag waren läppische 21 Grad dann doch noch Anlass genug für eine standesgemäße Einweihung in 2014 beim local Eisdealer.

Mit Eskorte :)

Das himbeerrote, weiche Baumwoll-Leinen ist ein Mitbringsel vom Wochenmakt im Holland-Urlaub und hätte nach dem Waschen auch nicht mehr für mit Ärmel gereicht.
Inspiration brachte dieses von Frau Kleidermanie gezeigte Kleid; Lust, mir das Original (McCall´s 6833) zu kaufen, hatte ich aber nach bisher unerfreulichen Erlebnissen mit amerikanischen Schnittmustern nicht. Meine Version ist ein Mix aus Burda & Butterick, selbstredend mit 70er-Anteil:

aus: Burda für Vollschlanke, Herbstheft 1973
Grundsätzlich haben diese alten Schnitte Potenzial - auch Burda erfindet ja das Rad nicht neu. Allerdings hat man den vollschlanken Kurzgrößen damals offensichtlich noch weniger Taille unterstellt als heute; außerdem musste der Original-Gr.45-Brustpunkt um 3,5cm, Taille um 2cm nach unten verlagert und ein FBA gemacht werden. Das 8-Bahnen-Rockteil mit erhöhter Taille stammt - mit stark gezähmter Saumweite und zugespitzer Empirelinie - vom Lemmingschnitt Butterick 6018, an dem ich mich in den letzten Wochen regelrecht abgearbeitet habe.

Auf die formvollendete Kreuzung der Linien von Auschnitt und unterem Vorderteil habe ich mangels exhibitionistischer Veranlagung verzichtet, die Schnitteile geändert und die vordere Mitte mit einer 4cm langen Naht geschlossen. Das sieht bei größerer Oberweite allerdings immer merkwürdig aus ... irgendwie notgelöst halt. 
Abhilfe schafft jetzt eine aus Reststoff genähte Blüte. Diese wird von der Innenseite aus mit einer Sicherheitsnadel befestigt - damit sie in der Waschmaschine nicht leidet und je nach Lust und Laune auch mal durch Brosche oder andere Objekte ausgetauscht werden kann. Wenn mal wieder Sommer ist.


18. August 2014

Die Wunschhose

Mit dem Herbst geht es mir ein bißchen wie andern Leuten mit Weihnachten, es kommt immer wieder so plötzlich.


Eigentlich liegen hier nämlich nach langer Sommerpause noch 2 ungebloggte Sommerkleider unter der Maschine, teilte mir mein Gewissen ungefragterweise neulich mit, als ich von Meikes Hosenplänen las. Die Kleider könnte ich bei derzeitiger Hamburger Witterung aber nur mit zusätzlicher Isolierschicht tragen - igitt. Bitte noch keine Strumpfhosen und so! 
Aber "Herbsthose" ... das könnte was werden.

Kaufhosen sind ein schwieriges Thema für mich und meine oben wie unten ausgeprägt weibliche Figur, die kräftigen Oberschenkel geben dem Dilemma noch den Rest. Achtung, Geständnis: die Einzige, die ich noch tragen möchte, ist eine Bootcut-Jeans. Und zwar ausschließlich das Unisex-Modell Dillon, das seit einigen Jahren nicht mehr produziert wird und mühsamst in Auktionshäusern gejagt werden muss ...
Und überhaupt: wieso gehen "Hosenberater" immer davon aus, dass sich Problemzönchen nur unterhalb der Taille befinden? Die Oberweite ist fürs Gesamtbild schließlich auch nicht unerheblich. Einige Hosenformen gehen deshalb insgesamt für mich gar nicht:

 
Meine bisher einzige Traumhose habe ich nach diesem Ausschlußverfahren irgendwann in den Neunzigern genäht: taillenhoch, durch Abnäher enganliegend an der Hüfte, nach unten hin mit ausgesteltem Bein, seitlicher Reißverschluss. Ein bißchen marlenig, aber mit Beleg statt Bund, ohne Bundfalten, Bügelfalten, Taschen oder sonstigem Schnickschnack der bei mir immer nur aufträgt. Aus dem perfekten Stoff: mittelschwer, knitterarm, weichfallend, leicht querelastisch, formstabil, kaum polyhaltig und herbsttauglich.

Weder Hose noch seinerzeit selbstgebasteltes Schnittmuster habe ich noch, statt dessen auf die Schnelle einen Plan, der übrigens auch mein Faible für die Mode der 70er sehr schön bedienen könnte:

aus: Burda 1973, Mode für Vollschlanke / 2. Herbstheft
 
Nur keine Panik - das Kopftuch lass' ich weg. Vielleicht. Aber ein Mantel steht auch schon lange auf meiner Wunschliste, allerdings in tailliert. 
Ich schweife ab ... bei der Hose handelt es sich um Modell 801, der Schnitt ist für Größe 46 und 48 angegeben, also erfahrungsgemäß passend für heutige 44 und 46. Laut Schnittübersicht müsste sich alles recht gut anpassen lassen.

aus: Burda 1973, Mode für Vollschlanke / 2. Herbstheft


Nicht ganz leicht hingegen wird es wohl, einen Stoff zu finden in der Art meiner verflossenen Traumhose - vielleicht habt ihr Tipps?

Ich freu' mich sehr auf den Austausch beim SewAlong, noch dazu bei einem so moderaten Zeitplan. Danke, Meike, fürs Organisieren!
*Hier* geht's lang zu anderen Hosenplänen.