26. Mai 2014

How to pimp my Teller

"Du hast da 'n Fleck" sagte mein Mann vorhin.


Dabei hab' ich nur was gegen uni-farbene Röcke, zumindest wenn sie grau sind und auch der Schnitt keine nennenswerte Raffinesse vorzuweisen hat. Nichts gegen kombi-freundliche Basics, aber bei einer so großen leeren Fläche wie beim kürzlich genähten (und noch ungesäumten) Tellerrock kann ich nicht anders - ich muss sie gestalten.

Am liebsten sind mir grafisch reduzierte und einfache Motive; meine Skizze sah folgendermaßen aus:

Ein zartes Motiv sollte es sein, aus unregelmäßigen Linien und vereinzelten Punkten, die wie eine abstrakte Blumenwiese anmuten.

1. Schritt - Linien aufnähen
Ähnlich wie beim Weihnachtsrock, nur freihand ohne Stick-Skizze. In ca. 15 Minuten genäht, mit normalem 120er Garn, da der Stoff recht fein ist.


Die Nähte habe ich jeweils unterhalb der Saumlinie begonnen, was den Vorteil hat, dass die Naht dort mit Rückstich gesichert werden kann und später nach dem Säumen nicht mehr sichtbar ist.

2. Schritt - Nähte sichern
Besitzerinnen eine Nähmaschine mit der Funktion "Punktvernähen" können diesen Schritt auslassen. Meine Maschine hat sowas nicht.


Ich habe im Lauf der nächsten Tage in ca. einstündigen Etappen sämtliche Oberfäden einzeln mit der Nähnadel auf die Rückseite gezogen und dort mit den Unterfäden verknotet. Ersetzt problemlos jede Meditation.
Von nahem sieht die Kombination schwarzer Oberfaden/grauer Unterfaden übrigens ganz gut aus; die einzelnen Stiche sind dadurch schön definiert und wirken plastischer:



3. Schritt - Bügeln

4. Schritt - Bedrucken
Erstaunlich, wozu die Radiergummispitzen von Bleistiften gut sind (zum sauberen Radieren taugen sie nämlich meistens nicht) ... 

... mit dem Cutter also eine glatte Fläche geschnitten und wie beim guten alten Kartoffeldruck mit Textilfarbe bestrichen & aufgestempelt. Dabei gelernt, dass die Farbe von Marabu beim Trocknen nachdunkelt - beim nächsten Projekt kann entsprechend heller angemischt werden.

5.-7. Schritt - Fixieren, Säumen, Bewundern
Was für meinen Mann nur Flecken sind mag ich sehr gerne. Das Ergebnis hat eigentlich auch ein besseres Foto verdient - dafür ist es heute abend leider schon zu dunkel. Wird nachgereicht ...

 

14. Mai 2014

MMM in Miami Vice

Leuchtende Farben trage ich eigentlich gar nicht.


Manche Vorurteile halten sich ganz schön lange. Ihr kennt das vielleicht: egal wie schön ein Name klingt - die eigene Assoziation ist eine ganz andere. Die Wolle für dieses Jäckchen beispielsweise hat die ansprechende Farbbezeichnung Azalee, ich allerdings dachte sofort an aufgescheuchte Flamingos und Don Johnson in Pastell.


Der echte Farbton liegt irgendwo zwischen Koralle und Hummer und ist unfotografierbar. In einem mutigen Moment im Januar spontangekauft, sollte das ansonsten schön weiche Baumwollgarn ursprünglich mein Frühjahrsjäckchen werden, und zwar passend zu *diesem Kleid*. Kurz vor KAL bekam ich aber kalte Füße, und so musste die Freundschaft zu MiamiVice ganz langsam in der Tüte reifen.

Ein flächendeckendes Muster wäre mir bei der Farbe zu viel, glatt rechts zu langweilig gewesen. Die Lochmusterreihe entlang der Bündchen und Raglanärmel ist ein Kompromiss, mit dem ich sehr gut leben kann.

Lieber etwas schräge als zu lieblich: zum Schluß mit geranienroter Abschlußreihe und passenden Knöpfen versehen.


Ich bin überrascht, wie gut mir das Ganze steht, kann mein Vorurteil zurück in die 80er-Mottenkiste zu Sonny Crockett & Ricardo Tubbs packen und genieße die ausgesprochen stimmungsaufhellende Wirkung meines neuen Jäckchens.
Extra zum MMM übrigens kombiniert mit Katze und grauem Rock - ein halber Teller, letzten Samstag beim Nähtreff entstanden und noch ungesäumt. Macht aber nix, heute ist nämlich homeoffice-Tag.

Da kann ich später schön bei den anderen Damen vorbeischauen, die sich *hier beim MMM* versammelt haben!

7. Mai 2014

La Siciliana - Burdakleid 2. Teil

Habe fertig.


Mehr Anmoderation fällt mir zu diesem Kleid nicht ein. Dafür habe ich mit dem Schnitt einfach zu viel kämpfen müssen, um aus dem matronenhaften Hemdblusengeschlabber des Oberteils noch etwas für mich halbwegs figurfreundliches zu basteln (wer unschöne Details mag: *hier* lang bitte).



Ursprünglich hatte ich einen senkrechte Abnäher unter der Brust improvisiert, der aber gemeine Falten schlug und immer noch nicht genügend Weite wegnahm. 3 zusätzliche Biesen schaffen jetzt Abhilfe und angenehme Rundung, die Vorderste (links) verdeckt auch noch den brachialen Abnäher.



Natürlich hätte ich die Biesen auch so anordnen können, dass die Letzte auf den Abnäher des Rockteils trifft. Das ist mir im Kampfgetümmel aber wohl irgendwie untergegangen, nicht zuletzt weil das feine Streifenmuster unweigerlich zu Wahrnehmungsstörungen führt, wenn man länger draufschaut. Egal - immerhin hat das Kleid jetzt eine tragbare Passform.

Ob ich es auf Dauer tragen möchte wird sich zeigen; die Falten im Rücken und an den Ärmeln habe ich nämlich vorerst gelassen. Mehr ein Zeichen von Bequemlichkeit als von Akzeptanz ... ich hatte einfach keinen Nerv mehr, für den Rücken auch noch eine ansprechende Änderung auszuprobieren.

Der Gürtel fehlt noch und wird bei Gelegenheit fertig gemacht, wenn mir eine braune Gürtelschnalle über den Weg läuft. Dann können auch Tragefotos folgen und Alltags- & Serienfähigkeit geprüft werden.