22. Januar 2014

MMM: Hill Country Strickkleid

Endlich: Minusgrade in St. Pauli! Ideale Voraussetzungen, ein Strickkleid zu tragen.


Auch wenn das hier jetzt schon der 4te Post in Folge zum Thema Stricken ist - der heutige Tag ist einfach wie geschaffen für mich & dieses Kleid, und für meinen MMM-Einstieg. Schon seit Monaten fertig, im bisherigen Winter zu schweißtreibend, seit Einbruch der gestrigen Kältefront gern getragenes Lieblingsstück:


Natürlich kenne ich das Vorurteil, dass Strickkleider - noch dazu figurbetonende - ab Größe 40 ganz böse auftragen und deshalb bitte tunlichst zu meiden sind. Vom Alter mal ganz abgesehen. Ja. Jetzt kommts: das ist mir wurscht.


Ich mag mich so. Nachdem ich das Original gesehen (das Model trägt übrigens Grün in Größe S) und mich in das Muster verliebt hatte, begann ich furchtlos die Ravelry-Anleitung in Größe 44 umzurechnen & zu stricken.
Das Zickzack-Muster und die Schurwolle machen das Gewebe einerseits elastisch, sorgen gleichzeitig aber auch für formstabile Festigkeit - eine prima Sache weil ich Quetschewäsche nicht mag. So reicht ein U-Kleid gegen das Hochkrabbeln an Strumpfhosen.


Die Schluppe am Ausschnitt wird extra gestrickt und angenäht; ansonsten ist das Kleid von der Hüfte aus nach oben und unten in einem Stück gearbeitet. Seitlich gibt es eine "Dehnungsfuge" und das Rockteil ist entgegen der Anleitung leicht ausgestellt - für mehr Bewegungsfreiheit bei spontanen Tänzchen und so.


Von mir aus kann der Winter erstmal bleiben ... und als nächstes wird wieder was genäht, versprochen.

Anleitung: "Hill Country" v. Snowden Becker via Ravelry
Wolle: Filatura di Crosa Sport Wool / Ndl. 3,5
Nochmal? Ja - in Farbe und evtl. als Tunika

Zum heutigen MMM mit Melleni und all den anderen frisch eingekleideten Damen geht es *hier*

19. Januar 2014

Schon mal im Bett genäht?

Um es gleich vorweg zu nehmen: ich auch nicht.


Statt dessen ein paar kuschelige Armstulpen gestrickt; das ging neulich zu meiner großen Erleichterung auch im halb-sitzend-halb-liegenden Krank-Modus (ich kann gar nichts tun wirklich schlecht ertragen) .


Oder nennt man das fingerlose Handschuhe? Keine Ahnung, im Original heissen sie jedenfalls Long Striped Hand Warmers, genadelt nach dieser Version von Purl Soho.

Ich besitze sie schon in mehrfacher Ausführung, nicht nur weil ich seit Anwendung der Magic-Loop-Methode ein sauberes Ergebnis habe, sondern weil sie aufgrund ihrer hohen Resteverwertungsfreundlichkeit zügig das Woll-Lager "entmüllen".
 
jaja: aussen hui ...


... und innen pfui nervig
Dieses Paar hat mich von 40g Drops Alpaca (curry) und 20g Drops Lace Alpaca/Silk (graugrün, doppelt verstrickt) befreit, die sonst wohl in der Tonne gelandet wären. So attraktiv die Drops-Wolle preislich ja sein mag, so unterirdisch ist leider oft die Qualität: bei keinem Hersteller muss ich den Faden  aufgrund von Materialfehlern oder zusammen geknoteten Stellen so oft anstückeln wie bei diesem Norweger. 
Bei einem filigranen Lace-Tuch bedeuten 3 Neuanfänge mittendrin mindestens einen mittleren Nervenzusammenbruch. Bei diesen Stulpen nur saublödes lästiges Mehr-Vernähen.

Ist doch schön, wenn man nicht zu krank ist um sich 'n büschn zu ärgern.


17. Januar 2014

Winter-HerrMann #2: Strickstück in 2 Akten

Maschenproben vor Strickbeginn sind doch was Feines. Viel weniger Aufwand als beispielsweise ein Probekleid - theoretisch.


1. Akt: 
Zum Geburtstag meines Vater hatte ich die Zipped Vest aus The Knitter 6/2011 geplant. Zwei Dinge gab es zu beachten: Alternativgarn (Patons Classic Wool wird nicht mehr vertrieben) und  Passformoptimierung; beim Original klemmt nämlich der Armausschnitt sowas von unter der Achsel - hat denn das beim Fotoshooting keiner gesehen?

Quelle: Veronik / Ravelry
Garn meiner Wahl war Karisma von Drops - klares Maschenbild, Superwash-Ausrüstung und relativ Pilling-resistent, also perfekt für Männersachen. Auch das Perlmuster kommt gut zur Geltung; ich habe entgegen der Anleitung das große PM (li/re alle 2 Reihen versetzt) gestrickt, das ist nicht so "körnig" und weicher im Griff.

Die Maschenprobe fiel v.a. in der Höhe anders aus als beim Originalgarn. Das sollte durch zusätzliche Reihen zu beheben sein, ausserdem wußte ich, dass die Karisma beim ersten Waschen und Spannen sehr stark "wächst". Das Stricken war ein Klacks - meditatives Arbeiten abends vorm Fernseher - und die Weste kam rechtzeitig zum Geburtstag an.
Mein Vater hat sich gefreut und folgendes Bild geschickt:


Der um einen halben Mustersatz versetzte Armausschnitt war eine gute Idee. Die Unschärfe konnte aber nicht über die fehlende Länge hinweg täuschen - das Strickmuster ist offensichtich nicht für 1,85-Männer ausgelegt. Also per Post zurück nach Hamburg, in der Hoffnung, dass die Änderungen wenigstens zu Weihnachten fertig sind ...

2. Akt:
Reißverschlüsse aus Stoff heraustrennen find ich ja schon unspaßig. Das mit  einem Strickstück in Nadelstärke 3 zu machen ist dagegen nur was für echte Masochisten, noch dazu wenn der offenkantige RV mit einer zusätzlichen, fast unsichtbaren 2. Naht von Hand direkt an der Kante angenäht wurde - meine Spezialität. (Gibt Fluchen in der Vorweihnachtszeit eigentlich mehr Karmaschuld als sonst?)

Mit zwischenzeitlich nachbestellter Wolle einen ganzen Mustersatz nach unten angestrickt, ganze 9 cm länger war die Weste danach. Komisch, so kurz sah sie auf dem Foto oben gar nicht aus ... hmm. Rechtzeitig zu Weihnachten ging die Weste zurück in den Süden. 
Neulich kamen vom glücklichen Träger dann wieder Bilder:

Durch das melierte Garn fällt die nachträgliche Verlängerung kaum auf ...
mit Arm davor sieht man sie gar nicht ...

... passt!

Ich mag den doppellagigen Kragen; so sieht die Weste richtig professionell aus und der RV kratzt nicht.




Bin ich froh, dass die Odyssee für diesen Winter ein Ende hat - beim nächsten Herren-Projekt werde ich darauf achten, dass es weniger Passform-sensibel ist. Dann werden die Posts auch nicht so langatmig ;-)

Wer noch alles Winterkleidung an den Mann gebracht hat, ist bei mo.ni.kate zu sehen, die den Winter-HerrMann anführt - vielen Dank fürs Organisieren!

16. Januar 2014

Winter-HerrMann #1 - der Plan

Das Nähen und Stricken für Männer hat ja - unter anderem - den großen Haken, dass die Sachen nicht für mich sind.


Erschwerend dazu kommt, dass die wenigen Auserwählten, die mir einen  solchen Aufwand überhaupt wert sind, eine entspannt-pragmatische Einstellung zum Thema Bekleidung haben (welche die achtlos in den Schrank geknäulte Aufbewahrung mit beinhaltet).

Mir bleibt dabei meistens nur die Freude am eigentlichen Herstellungsprozess - wenn mir das genügt lasse ich mich gelegentlich dann doch dazu hinreißen. Zum Beispiel in Form einer Herrenweste, kürzlich ein Weihnachtsgeschenk für meinen Vater, der im schönen Elztal lebt ... nur einen Steinwurf entfernt von mo.ni.kate, Initiatorin der Herrmann-Aktion.

Gestrickt habe ich eine Weste mit männertauglichem Muster und Reissverschluss, die sich schon einige Zeit in meinen Ravelry-Faves befand: "Zipped Vest" von Veronik Avery. Die Anleitung stammt aus der deutschen Ausgabe von The Knitter, nachträglich bei _bay ersteigert.

Bildausschnitt: The Knitter 6/2011

So weit die Ankündigung - mehr zu Entstehungsgeschichte und Ergebnis gibts dann morgen beim Winter-HerrMann.




8. Januar 2014

Mehr Licht ist auch ein guter Vorsatz

Die erste Woche 2014 ist schon wieder rum, und mit der elenden Frühaufsteherei, die der Schulanfang auch Hamburger Muttertieren beschert, ist ein dunkles Stück Alltag zurückgekehrt, auf das ich gerne verzichten könnte.

Im Januar früherer Jahre habe ich mich mit dem inneren Mantra zum Aufstehen motivieren  können, dass es ab der Wintersonnenwende ja jeden Tag ca 2 Minuten früher hell wird, der Frühling heranrauscht und es nur am schlechten Wetter liegt wenn ich jetzt 2 Wochen später davon noch nichts merke.

Alles böser Irrglaube: dieses Jahr klärte mich ein Physiker aus nähester Verwandtschaft mit seiner selbsterstellten Grafik darüber auf, dass die Entwicklung der Tageslänge statt dessen einer Art Sinuskurve entspricht. In deren ausgedehnter Talsohle wir uns aktuell befinden. Und mit der es allerfrühestens im Februar spürbar aufwärts gehen wird. 
Schon toll, wenn man wissenschaftlich gebildete Menschen in der Familie hat; da macht das Aufstehen doch gleich doppelt soviel Spaß.

Quelle: Dr. Klaus B.
Und überhaupt: Lichtmangel ist auch fürs Nähen nicht gut. 
Dass meine Maschine nach den fettlastigen Festtagen mit Ente, Fondue & Co ihr düsteres Schrank-Dasein endlich beenden und wieder in der Küche Quartier beziehen konnte war schon mal ein Fortschritt. Leider hat aber auch meine neue Nähma (trotz des mehrfachen Kaufpreises der alten) nur ein herkömmliches Glühbirnchen mit der Leuchtkraft einer Notbeleuchtung fürs Puppenhaus. Mit Arbeitslicht hat das nichts mehr zu tun, das musste ich schon neulich beim Weihnachtskleid-Sew-Along feststellen ... und hatte mir mit diesem Improvisationsaufbau hier als Leihgabe halbwegs ausgeholfen.

Kurzerhand kaufte ich daher beim letzten Besuch des Haus-Schweden einen eigenen LED-Klemmspot mit dem klangvollen Namen Jansjö und erfreulichen 295 cm Kabellänge, der sich hervorragend an den eckigen Tragegriff meiner Neuen befestigen lässt und so keine kostbare Tischfläche wegnimmt.




Der erste gute Vorsatz für dieses Jahr wäre also schon mal umgesetzt; da bleiben noch 51 Wochen, um ... ähem - die neulich auf Geburtstage verschobenen Weihnachtsgeschenke ohne Hektik fertigzustellen. Sich mit anderen Selbermacherinnen auszutauschen und zu treffen, um z.B. die eigene maßgefertigte Schneiderpuppe zu bauen, wie hier von Mme Crafteln gestern angeregt. Vielleicht die Idee des Nähcafés weiter zu entwickeln. Und natürlich aus den in 2013 hemmungslos angehäuften Materialbeständen viele schöne Kleider zu nähen. 
Für solche Vorhaben lohnt sich dann bis auf Weiteres auch das Aufstehen im Dunkeln ...