14. November 2014

HJSA #4: Ärmel-OP statt Endspurt

Ach ja. Die Ärmel ... 


Dieses Gekräusel bei der Probejacke hatte ich mir seinerzeit mit schludrigem Zuschnitt und noch schludrigerem Einpassen schöngeredet. Zumal der Schnitt keine Puffärmel vorsieht. Leider zeigte sich das bügelresistente Phänomen aber auch am "echten" Mantel, noch verstärkt durch das dickere Material.

Im 2-teiligen Ärmel des Probeteils hatten meine nicht ganz schmalen Oberarme gut Platz, sodass ich zur Lösung des Problems einfach etwas Weite aus der rückwärtigen Ärmelnaht zu nehmen gedachte. Um den tatsächlichen Schummelbedarf zu ermitteln wurden die Nahtlinien an Armloch & Armkugel ausgemessen. Nebenbei bemerkt: die übliche Mehrweite für eine glatte Armkugel beträgt ca. 2 cm . 
Und? Armloch 49cm, Armkugel 56cm - macht ganze 7 cm Mehrweite (auch bei den Ärmeln der kleineren Größen, die ich kurz in Erwägung gezogen hatte). Na toll. 5 cm zuviel lassen sich nicht mal einfach eben so wegschummeln. 
Ich sah mich schon beim SewAlong-Finale mit angepufften Sarah-Kay-Ärmeln defilieren und war kurz davor, zu explodieren hinzuschmeißen.

Weil ich aber mittlerweile schwer vernarrt bin in die Vorstellung, demnächst Besitzerin eines blauen 70er-Jahre Cordmantels zu sein, siegte die Ausdauer. Angeregt von Sarah Veblens Buch "Perfekte Passform" konstruierte ich aus den letzten Resten Stoff einen 3-teiligen Ärmel. Ungewöhnlich, aber wirkungsvoll. Und gut aussehen tut es - soweit man bei geblitzten Bildern davon sprechen kann - auch noch:

die OP-Fäden werden noch gezogen ...

Wie die Ärmelchirurgie im Einzelnen funktioniert schreibe ich noch in einem eigenen Post, sonst wird das hier zu episch. Der Aufwand hat sich jedenfalls gelohnt und es geht weiter. Noch bin ich zuversichtlich, wenigstens zum 2. Finale am 7.12. fertig zu werden.

Meine To-Do-Liste bis dahin - doch noch einiges:
- Kleinteile nähen (Taschen, rückw. Riegel)
- Knöpfe ordern (Verkäufer ist erst ab 17.11 wieder da), damit endlich
- die Paspelknopflöcher und
- die vorderen Belege genäht werden können
- Futter gestalten/zuschneiden/nähen/einnähen
und natürlich:
- *hier bei FrauDreiKah* die Machwerke der anderen Damen ankucken!

28. Oktober 2014

HJSA #3: Schnittmuster-Puzzle & Einlage-Fragen

Es gibt Fortschritte (trotz textlastigem Post).

Die Hamburger Herbstferien und damit einhergehender Nachwuchsbeschäftigungssausfall hatten mein Mantelprojekt während der letzten 14 Tage ... nun ja - ausgebremst. Erfreuliches gibt es nun von der Schnitterstellungs-Front: der zuletzt erfolgte Neustart machte ja ein neues Probeteil erforderlich.

NeueMode / Arnold - Schnitt 3115

Dieses wirklich in Gr. 46 zu testen hat mich echte Überwindung gekostet, nur das Wissen, dass die alten Schnitte ca. 1 Konfektionsgröße kleiner ausfallen und der Wunsch, unter der Jacke später mehr als ein T-Shirt tragen zu können gaben letzlich den Ausschlag. Und tatsächlich hatte dann alles Platz.
Nur das  wenig formgebende Rückteil des Arnold-Schnitts gefiel mir nicht und wurde unter Zuhilfenahme diverser anderer 70er-Burdaschnitte neu konstruiert; nachdem das erste Eis schon gebrochen war griff ich hierzu völlig enthemmt auch auf (schmale) Schnitte in Gr. 48 zurück. Mein Probeteil ist nun ein Mix aus 4 Schnittmustern, hat vorne wie hinten Wiener Nähte, steht mir und passt endlich - YEAH!

Hier könnte jetzt mal ein Foto der Umsetzung kommen. Gibt's aber nicht.

Kommen wir endlich zu den Luxus-Hürden: das Hadern mit der passenden (Bügel-) Einlage. Lucy/FrauNahtzugabe und Lucia hatten im Zuge des 2012er Mantel-SewAlongs zwar schon viel Wissenswertes zum Thema geschrieben, nur konnte ich daraus für mich noch nicht so die richtigen Schlüsse ziehen.

Da mein Oberstoff ein nicht allzu schwerer, elastischer Cord ist, braucht es eine dehnbare Einlage. Gleichzeitig möchte ich vor allem den Schulterbereich und die Belege etwas versteifen (kein "Brett", aber schon etwas Stand), damit das Ganze nicht so lappig wird.

Vlieseline606 zum Stabilisieren ist vorhanden, bringt hier aber für meinen Geschmack zu wenig Standfestigkeit. Ein Besuch bei Bracker - sonst immer das Fachgeschäft meiner Wahl - war ein glatter Beratungs-Flop und bescherte mir die Fehlinvestition einer Gewebeeinlage, mit der mein Oberstoff noch nicht mal mehr elastisch wäre. (Das nächste Mal, wenn keine der kompetenten Mitarbeiterinnen im Laden ist, sondern der Chef: Kehrtmachen. Nach Hause gehen. Oder etwas Beratungsfreies wie Knöpfe kaufen.)

Eventuell Plack für Schultern / Ärmel - zusätzlich zur Stretch-Einlage? Oder einfach Vlieseline 200, nur dort, wo keine Elastizität benötigt wird? Was mach ich dann mit dem oberen Rückenbereich?
Was verwendet ihr?

*Hier bei Chrissy* gibt's die Zwischenstände, Fragen & Antworten der übrigen SewAlonger.

14. Oktober 2014

Herbstjacken SewAlong Teil 2: Neustart

Die erste Schlappe liegt schon hinter mir, dabei sind doch heute Stoffauswahl und erste Schritte dran.


Die Stoff-Wahl für meine geplante Herbstjacke war eine Sache von Sekunden: die Investition in einen spek-ta-ku-lär roten Wollstoff ist momentan nicht drin, daher nehme ich einen Bestands-Stoff, und zwar einen dunkelblauen, mittelschweren Cord mit 3% Elasthananteil und einem Schlag ins Petrol:


Die ersten Schritte bestanden aus Schnittanpassung für größere Brust bei Wiener Nähten (*hier* ausführlich beschrieben) und dem Nähen eines Probeteils, und führten mich zum absoluten Nullpunkt zurück. Probegenäht wurde die Jacke, in der Hoffnung, daraus den roten Mantel abzuleiten:

aus: Burda 9/1972
aus: Burda 1/1972

Wofür ein Probeteil so alles gut ist: das Ergebnis war ein Fiasko! 
Die Probejacke zeigte nämlich, dass mir der Schnitt nicht steht. In Gr. 44 eher kastig, was durch die Brustanpassung für mittlerweile D-Cup noch verstärkt wurde. Die sehr breite Überlappung der beiden Vorderteile, in Verbindung mit überraschend breiten Schultern und der spärlichen Taillierung, ließ mich einfach nur plump erscheinen, die schmal geschnittenen Ärmel dazu wirkten grotesk. So hat mich Retro-Burda noch nie enttäuscht. Und sorry - aber das Foto wird nicht gezeigt.

Mit weniger Nahtzugabe in der Taille ist es nicht getan, denn dem oberen Teil fehlt es ausserdem eindeutig an Bequemlichkeit - mehr als ein T-Shirt passt nicht darunter. Ein echtes Ausschlusskriterium bei Jacken & Mänteln, oder? Zu allem Übel ist der Jackenschnitt auch nur für Gr. 44 vorhanden: eine Größen- und Modellanpassung wäre damit wie Kaffeesatz-Lesen und würde meinen Zeitrahmen definitiv sprengen.

Damit ich aber beim 2. SewAlong-Treffen nicht schon den Ausstieg bekannt geben muss, existiert seit gestern immerhin so etwas wie eine Apfel-Z-Taste (ich wünschte, die gäbe es auch für meine 2,5 Meter Probestoff ... grummel):


Plan B ist ein Arnold-Modellschnitt, ebenfalls aus den 70ern und erfreulicherweise sogar in mehreren Größen. Erfahrungsbericht nach Neustart folgt ...

Den aktuellen Stand der anderen Jacken- und Mäntel-Träume gibt's *hier* bei Karin / Frau Dreikah.

10. Oktober 2014

Wiener Nähte: FBA-Alternative für die Herbstjacke

Was tun, wenn's vorne eng wird?


"Full-bust-adjustment!" schallt es prompt aus der internationalen Nähnerd-Community zurück, und auch ich war vor einem Jahr zugegebenermaßen begeistert, beim Wiedereinstieg ins Benähen meines Muttertierkörpers diese Zauberformel zu entdecken, die Ende der 1990er der breiten Hobbyschneidermasse jenseits des B-Körbchens noch nicht zur Verfügung stand (und vermutlich durch flaches Atmen kompensiert werden musste). Ich habe keine genaue Erinnerung mehr an diese Zeit (Sauerstoffmangel?).

Die FBA hat mir also wirklich geholfen. Bei figurbetonten Kleidern mit schmal geschnittenen Ärmeln blieb die Methode allerdings nicht ganz nebenwirkungsfrei - sie hat nämlich auch die Verformung des Armausschnitts zur Folge. Die beiden so entstandenen Kleider wurden letzlich entsorgt - irgendwie hat es an den Ärmeln immer "gezwackt".

Das will ich bei meiner Herbstjacke natürlich vermeiden. Ausserdem braucht die mit Wiener Nähten gearbeitete Jacke eine Oberweiten-Anpassung, die mangels profunder Erfahrungswerte ohnehin gegoogelt werden musste. Dabei stolperte ich über diese Seite mit einer textreichen Kurzanleitung bei Prinzessnähten (Teilungsnaht im Armloch). Danke für den Post, Frau sewinggalaxy, da hab ich wieder was gelernt!

Und weil ich so anleitungslesefaul bin, habe ich beim Umdenken für meine Wiener Nähte (Teilungsnaht in Schulternaht) gleich fürs nächste Mal mitfotografiert:

1





















1: Eine Kopie des Originalschnitts ohne Nahtzugabe anfertigen.
Vom Brustpunkt (BP) im rechten Winkel zum Fadenlauf eine Querlinie ziehen/ Linie 1
Schulterpunkt mit dem so entstandenen Kreuzpunkt verbinden und im rechten Winkel eine Linie bis zur Seitennaht ziehen/ Linie 2

2

2: Linie 2 einschneiden bis kurz vor Schulterpunkt.
Von dort aus das Armloch um die benötigte Mehrweite nach außen drehen (für C-Körbchen-Anpassung 1-1,5 cm pro Seite), den so entstandenen Keil mit Papier unterlegen & fixieren.

3






















3: Jetzt Linie 1 vom BP bis kurz vor Fadenlauflinie einschneiden. Um diesen Ankerpunkt herum den Keil zur Seitennaht zudrehen & fixieren. 
Direkt unterhalb des BP öffnet sich ein kleiner Keil. Diesen mit Papier unterlegen & fixieren.

4























4: Vom BP aus erneut einschneiden wie bei Abb.3 und Schnitt bis kurz vor die Seitennaht verlängern (diese Verlängerung weicht leicht von der urspünglichen Linie1 ab) / Linie 3
Von dem Punkt aus den oberen Teil um die benötigte Mehrlänge hochdrehen (für C-Cup ca. 2cm, die anderen Cup-Maße hab ich irgendwo auch gesehen, aber nicht mehr gefunden).
Mit Papier unterlegen & fixieren.

5
5: Die Lücke an der Seitennaht ebenfalls unterlegen & fixieren, anschließend Armloch und seitliche Taille neu verbinden, um die ursprüngliche Taillenweite wieder herzustellen.
Den Fadenlauf vom unteren Teil übernehmen und nach oben verlängern.

Das Angleichen der Mehrlänge aus 3 + 4 am vorderen Mittelteil nicht vergessen!


Hier zum Vergleich der "neue", unveränderte Armausschnitt (oben) und der Armausschnitt, wie er nach einer FBA aussehen würde (im Bild unten liegend). Die Mehrweite & -länge beider Schnittteile sind ansonsten identisch.
Was für den C-Cup fast noch moderat aussieht, wäre bei größeren Cups noch viel stärker verzerrt. 

Für welchen Cup auch immer man die Anpassung vornimmt - so lässt sich ab jetzt wieder mit unverfälschtem Armausschnitt tief einatmen.






4. Oktober 2014

Herbstjacken Sew Along

Eine Woche lang bin ich jetzt um den Herbst-JSA herumgeschlichen, den Chrissy & Frau Dreikah dankenswerterweise organisieren. 
Dabei bin ich in manchen Dingen ganz schnell. Wenn ich z.B. eine Jacke sehe, weiß ich sofort, ob ich sie haben will oder nicht. So ging es mir Anfang September beim rituellen Durchblättern meines Burda-Horts aus den frühen Siebzigern (ich brauch' das ab und zu) mit diesem Exemplar hier:

aus: Burda Moden 1/1972

YES - dieser Mantel oder keiner! In etwas sportlicher aus Cord und mit zusätzlichen Armriegeln und/ oder Gürtel dran, aber ansonsten genau so. Ach ja - und einen kleinen Haken hatte das Ganze dann noch:

immer schön das Kleingedruckte lesen ...

Genau. Früher war nicht alles besser. Es gab nämlich noch keine Mehrgrößenschnitte wie heute - Gr. 36 war die einzig erhältliche und fiel zudem noch so aus wie eine heutige 34. Da ich sonst bei den 70er-Schnitten Größe 44 nähe um dann ca. eine 42 tragen zu können, bedeutete das ... einen figurnahen Schnitt um 4 Größen anpassen? Aus ganz anderen  Schnittmustern etwas ähnliches zusammenschlumpfen? 
Dazu fehlt mir Lust & Zeit. Nix Herbstjacken Sew Along.

Dann entdeckte ich bei den SewAlong-Plänen von Frau wollixundstoffix folgendes:

aus: Burda Moden 9/1972

Quasi das Modell "Silberstreif": ebenfalls ein früher 70er-Schnitt, aus einer Burda die meine Oma leider nicht besaß, und der meiner Mantel-Vision sehr sehr nahe kommt. Danke, Monika, für's Zeigen! Das Heft war schnell recherchiert, fand sich gegen Preisvorschlag in der Bucht und heute schon im Briefkasten. Es kann also losgehen - ich herbstjacke mit. 

Ob ich die Cabanjacke einfach verlängere oder ein an die Taille angesetztes Rockteil wie beim Original erfinde, weiß ich noch nicht. Das wird beim Nähen des Probeteils entschieden, ebenso wie die Entscheidung der Materialstärke bzw. der Saisontauglichkeit.

*Hier* bei Chrissy versammeln sich die anderen Jacken- und Mantelnäher.




 

24. September 2014

Tschüs, Sommer: in Schwarz

Seit gestern ist der Herbst zwar amtlich, ich habe aber keine Lust, alles Sommerliche schon zu verstauen.



Deshalb zeige ich zum heutigen MMM und kurz vor Garderobenumschichtung noch mal mein Lieblings-Sommer-Schwarzes, das am Samstag seine vorerst letzte Runde durchs Quartier gedreht hat. Ein klassisches HB-Kleid, nach einem Burdaschnitt aus den Siebzigern, schon im Juni genäht in Gr. 44.


Den Schnitt hatte ich fast 1:1 übernommen, mir die FBA geschenkt und nur den Brustpunkt um 2,5 cm nach unten versetzt (irgendwann ähem ... zeitverzögert dann auch die Brustabnäher, wie man an den ursprünglichen Bügelspuren sehen kann). Da das Leinen nicht so locker-blusig über meine Kurven fällt wie die Illustration vorsieht, erschien es mir ausserdem sinnvoll, die Anzahl der Knöpfe zu verdoppeln.



Ich liebe diesen Kragen! Meine sonstige Passformschwäche bei Webstoff-Ärmeln verhält sich hier erfreulich unauffällig; trotz moderatem Ärmelumfang geht Festhalten im Bus zwar unscharf, aber einwandfrei:


Das Kleid kommt ohne schnitt-technische Raffinessen aus und so hatte ich mich beim Nähen schon auf einen unförmigen schwarzen Leinenkittel eingestellt. Ich war überrascht, wie gut Brustabnäher, 2 Schulterabnäher und eine leicht geschwungene rückwärtige Mittelnaht das Ganze in Form bringen. So ist es figurbetont, ohne einzuengen; die mittlerweile büschn knappe Hüfte übersehen wir jetzt mal, das sind nur Wechseljahre ...




Den im Schnitt vorgesehenen Gürtel habe ich übrigens immer nur dann getragen, wenn das Gefühl von etwas "angezogener" benötigt wurde; ohne Gürtel war das Kleid aber deutlich häufiger im Einsatz. 



Die roten Woodys waren diesen Sommer ebenfalls echte Lieblingteile und werden vorerst nicht eingemottet - schnell mal in den Keller zum Saftholen müsste auch bei Herbstwitterung noch eine Weile gehen.

Ob anderswo noch Sommerkleider oder schon neue Herbst-Outfits getragen werden, kann man *hier* beim MMM sehen, heute angeführt von Claudia in ebenfalls wunderbarem Schuhwerk.








11. September 2014

B6018 im Schneckentempo

Die Herbstnähpläne müssen warten, denn es gibt noch etwas aufzuarbeiten. Nachdem im Frühsommer sechs Versuche, ein figurbetontes Kleid mit Ärmeln zu nähen, alle mehr oder weniger in Funktionsausfall der oberen Extremitäten endeten, brauchte ich eine längere Pause. Die Fahrlässigkeit, den damaligen Post dazu mit "Passform-Blues" zu betiteln, rächte sich derweil mit einer bis heute anhaltenden Flut von Werbe-Spam für frei verkäufliche U.S.-Antidepressiva - besten Dank auch. Ganz so schlimm war's ja nun nicht, denn die vielen schönen Exemplare vom 6018-Kleid, die ich gesehen hatte, motivierten mich irgendwann zum siebten Versuch.

Von Schnittanpassung war nirgendwo zu lesen; nur Frau Kleidermanie äußerte Taillen-Kritik. Bestimmt machbar, denn die technische Zeichnung versprach Stellschrauben bzw. Abnäher:


Also Probemodell vom passformsensiblen oberen Teil, mit den üblichen Anpassungen: ausgehend von 42/44 wagte ich Größe 16, mit FBA für Gr. 18 und nach unten verlegtem Brustpunkt. Im gleichen Zug schon mal die gesamte Empire-Naht versetzt, damit sie genau unter der Brust verläuft, da wo auch beim BH Schluss ist - Empirenähte auf der Brust sind für mein Empfinden ziemlich unvorteilhaft. Ergebnis:


... ja. Noch schlimmer als eine zu hoch sitzende Empiretaille ist eine zu weite.

Ich habe nicht erwartet, dass es auf Anhieb passt, aber vielversprechend ist trotzdem anders. Abnäher und Schulterbreite, der Stoffüberschuss am Rückenteil - alles machbar. Nur mein Reizthema Ärmel hat auch dieses Schnittmuster offensichtlich nicht entschärft; an der Vorderseite nur Luft und rückwärtig zu eng. Die Weite am Saum/Empirenaht macht mich sprachlos, schließlich wurde das Stoff-Plus nach FBA in die Abnäher weggearbeitet. Ist die Zelt-Optik womöglich für Größen 14-20 so vorgesehen? Die schlankeren Pionier-Nähnerds von B6018 haben doch auch Sanduhr-Proportionen; keine schreibt von einer Anpassung in diesem Bereich.

Ok - leicht desillusioniert, aber beharrlich. Diesmal bleib' ich dran. Die schicke Disney-Bettwäsche vom 10jährigen reicht übrigens noch für mindestens 5 weitere Probeteile ...

29. August 2014

Sommerkleid mit ohne

Dass ich bisher noch keinen serientauglichen Schnitt für ein figurbetontes Kleid mit Ärmeln gefunden habe, hat mich lange Zeit ziemlich frustriert. Trotzig wie ein Kleinkind nähte ich mir deshalb beim letzten Nähtreff eines ohne - und war glücklich!
Der plötzliche Sommerschwund neulich sorgte dafür, dass das Kleid gleich danach in den Schrank wanderte. Gestern nachmittag waren läppische 21 Grad dann doch noch Anlass genug für eine standesgemäße Einweihung in 2014 beim local Eisdealer.

Mit Eskorte :)

Das himbeerrote, weiche Baumwoll-Leinen ist ein Mitbringsel vom Wochenmakt im Holland-Urlaub und hätte nach dem Waschen auch nicht mehr für mit Ärmel gereicht.
Inspiration brachte dieses von Frau Kleidermanie gezeigte Kleid; Lust, mir das Original (McCall´s 6833) zu kaufen, hatte ich aber nach bisher unerfreulichen Erlebnissen mit amerikanischen Schnittmustern nicht. Meine Version ist ein Mix aus Burda & Butterick, selbstredend mit 70er-Anteil:

aus: Burda für Vollschlanke, Herbstheft 1973
Grundsätzlich haben diese alten Schnitte Potenzial - auch Burda erfindet ja das Rad nicht neu. Allerdings hat man den vollschlanken Kurzgrößen damals offensichtlich noch weniger Taille unterstellt als heute; außerdem musste der Original-Gr.45-Brustpunkt um 3,5cm, Taille um 2cm nach unten verlagert und ein FBA gemacht werden. Das 8-Bahnen-Rockteil mit erhöhter Taille stammt - mit stark gezähmter Saumweite und zugespitzer Empirelinie - vom Lemmingschnitt Butterick 6018, an dem ich mich in den letzten Wochen regelrecht abgearbeitet habe.

Auf die formvollendete Kreuzung der Linien von Auschnitt und unterem Vorderteil habe ich mangels exhibitionistischer Veranlagung verzichtet, die Schnitteile geändert und die vordere Mitte mit einer 4cm langen Naht geschlossen. Das sieht bei größerer Oberweite allerdings immer merkwürdig aus ... irgendwie notgelöst halt. 
Abhilfe schafft jetzt eine aus Reststoff genähte Blüte. Diese wird von der Innenseite aus mit einer Sicherheitsnadel befestigt - damit sie in der Waschmaschine nicht leidet und je nach Lust und Laune auch mal durch Brosche oder andere Objekte ausgetauscht werden kann. Wenn mal wieder Sommer ist.


18. August 2014

Die Wunschhose

Mit dem Herbst geht es mir ein bißchen wie andern Leuten mit Weihnachten, es kommt immer wieder so plötzlich.


Eigentlich liegen hier nämlich nach langer Sommerpause noch 2 ungebloggte Sommerkleider unter der Maschine, teilte mir mein Gewissen ungefragterweise neulich mit, als ich von Meikes Hosenplänen las. Die Kleider könnte ich bei derzeitiger Hamburger Witterung aber nur mit zusätzlicher Isolierschicht tragen - igitt. Bitte noch keine Strumpfhosen und so! 
Aber "Herbsthose" ... das könnte was werden.

Kaufhosen sind ein schwieriges Thema für mich und meine oben wie unten ausgeprägt weibliche Figur, die kräftigen Oberschenkel geben dem Dilemma noch den Rest. Achtung, Geständnis: die Einzige, die ich noch tragen möchte, ist eine Bootcut-Jeans. Und zwar ausschließlich das Unisex-Modell Dillon, das seit einigen Jahren nicht mehr produziert wird und mühsamst in Auktionshäusern gejagt werden muss ...
Und überhaupt: wieso gehen "Hosenberater" immer davon aus, dass sich Problemzönchen nur unterhalb der Taille befinden? Die Oberweite ist fürs Gesamtbild schließlich auch nicht unerheblich. Einige Hosenformen gehen deshalb insgesamt für mich gar nicht:

 
Meine bisher einzige Traumhose habe ich nach diesem Ausschlußverfahren irgendwann in den Neunzigern genäht: taillenhoch, durch Abnäher enganliegend an der Hüfte, nach unten hin mit ausgesteltem Bein, seitlicher Reißverschluss. Ein bißchen marlenig, aber mit Beleg statt Bund, ohne Bundfalten, Bügelfalten, Taschen oder sonstigem Schnickschnack der bei mir immer nur aufträgt. Aus dem perfekten Stoff: mittelschwer, knitterarm, weichfallend, leicht querelastisch, formstabil, kaum polyhaltig und herbsttauglich.

Weder Hose noch seinerzeit selbstgebasteltes Schnittmuster habe ich noch, statt dessen auf die Schnelle einen Plan, der übrigens auch mein Faible für die Mode der 70er sehr schön bedienen könnte:

aus: Burda 1973, Mode für Vollschlanke / 2. Herbstheft
 
Nur keine Panik - das Kopftuch lass' ich weg. Vielleicht. Aber ein Mantel steht auch schon lange auf meiner Wunschliste, allerdings in tailliert. 
Ich schweife ab ... bei der Hose handelt es sich um Modell 801, der Schnitt ist für Größe 46 und 48 angegeben, also erfahrungsgemäß passend für heutige 44 und 46. Laut Schnittübersicht müsste sich alles recht gut anpassen lassen.

aus: Burda 1973, Mode für Vollschlanke / 2. Herbstheft


Nicht ganz leicht hingegen wird es wohl, einen Stoff zu finden in der Art meiner verflossenen Traumhose - vielleicht habt ihr Tipps?

Ich freu' mich sehr auf den Austausch beim SewAlong, noch dazu bei einem so moderaten Zeitplan. Danke, Meike, fürs Organisieren!
*Hier* geht's lang zu anderen Hosenplänen.






9. Juli 2014

MMM im Gene-Kelly-Knotenkleid

Was nehm' ich bloß mit oder die Antwort auf schlechtes (Urlaubs-)Wetter.


Der heutige MMM steht ganz im Zeichen von Urlaub & Sommerferien - Hurra! Nun bin ich ja ein grundsätzlich optimistischer Mensch; trotzdem gehört in meinen Urlaubskoffer ein textiles Antidepressivum für den nicht ganz unwahrscheinlichen Fall, dass es im Urlaub in der Heimat mal (Achtung, böses Wort:) regnet. Alles schon vorgekommen. 

Mit der aktuellen Witterung bietet Hamburg praktischerweise ein ideales Simulationsgebiet, und so ließ sich die erhebende Wirkung des potenziellen Kandidaten gestern schon mal im Schrebergarten testen:


Es funktioniert!!! Singin' in the rain pur ... wenn auch nicht ganz so gazellengleich wie im Kelly & Reynolds-Original. Die mussten sich auf ihrem Parcours ja aber auch nicht mit Nacktschnecken und Fußballtoren 'rumschlagen.



Meinem Alter angemessener, Restaurant-tauglicher Auftritt geht mit dem Kleid natürlich auch (und ja, ich nehme auch Schuhe mit). 




Im Anbetracht meiner anhaltenden Webstoff-Passform-Krise ist dies also ein weiteres Knotenkleid nach Simplicity / Meine Nähmode, in schon in vielen anderen Blogs vernähtem rotem Blümchen-Jersey. Es werden ja vielleicht nicht alle Holland aan Zee ansteuern ...?

Der Stoff ist in der Tat ein eher festerer T-Shirt-Jersey und fällt nicht so fließend, dafür wird mir das Kleid bei der erfahrungsgemäß frischen holländischen Brise auch nicht wegflattern.




Dank fehlender Flutschigkeit ließ sich das Kleid sehr gut ohne Overlock nähen & versäubern und mit Zwillingsnadel wellenfrei säumen. Abgesteppen der Nahtzugabe und die beiden frei erfundenen Taillenabnäher am Rückteil waren zur Vermeidung des Schwangerschafts-Looks diesmal allerdings zwingend notwendig.

Fürs Gute-Laune-Kernstück meiner Urlaubsgarderobe wäre also schon mal gesorgt. Was noch mitdarf wird am WE kurzfristig entschieden; bei 5 Tagen mit Zugfahrt reise ich gerne mit minimalstem Gepäck.

Was ins Reisegepäck der anderen MMM-Teilnehmer kommt, seht ihr *hier*.
Euch allen eine schöne Urlaubszeit!  

26. Juni 2014

Passform-Blues

Eigentlich will ich seit Wochen doch nur ein Sommerkleid aus Webstoff nähen. Stattdessen stecke ich in einer ergebnislosen Probeteil-Schleife.


Auf der Suche nach einem Grundschnitt für ein Kleid mit figurbetontem Oberteil sind in den letzten Wochen etliche Oberteilproben entstanden; überwiegend nach Burda-Schnitten aus den frühen Siebzigern. Die hatten bisher - mit kleineren Änderungen - immer eine ganz gute Passform
Bei den aktuellen Oberteilen geht ohne umfangreiche Anpassungen allerdings gar nichts. Ohne Elasthan scheint meine Fixierung auf "figurbetont" irgendwie problembehaftet und der Grat zwischen figurbetont und zu eng ganz schön schmal zu sein.
 
Es ist mehr zu tun als das übliche full-bust-adjustment, bißchen Schultern verschmälern oder Taillenhöhe kürzen und bei der Nahtzugabe schummeln.
Fragen wie "Wodurch kommt welche Falte zustande" brauchen viel Näh-Erfahrung (die ich an meiner jetzigen Figur noch nicht wieder habe) und bringen mich vor allem dann an meine Grenzen, wenn es um die verlässliche Diagnostik meiner Rückansicht geht. Für die Begutachtung jeder Änderung erst die Kamera aufzubauen ist beim 6. Probestück in Folge irgendwann motivationsdämpfend und die Verwandlung des Wohnzimmers in ein Spiegelkabinett auch keine Option.

Den Hoffnungsträger Nähtreff habe ich neulich zum Großteil verplaudert anstatt den Tag zum Arbeiten zu nutzen; die mithilfe der Nähfreundinnen abgesteckte Änderung erwies sich bei nächster Näh-Gelegenheit als Holzpfad sodass ich die kommenden 3 1/2 Wochen bis zum 12. Juli wieder auf mich gestellt bin. Selbst schuld.

Ein Ebenbild zum Drapieren - die *Schneiderbüste nach Maß* à la Hofenbitzer - hätte ich jetzt natürlich furchtbar gerne, ist aber mangels ausreichender gleichgesinnter Helferlein (... anyone out there?) zur Zeit auch noch Zukunftsmusik.

Ok. Frust schieben ist auf Dauer auch langweilig. Und nu?
Häng' ich das neueste Miststück halt zu den anderen und mach' erstmal Pause.

 


6. Juni 2014

Sommer-HerrMann: Master of BBQ

Selbst dem Mann, der alles schon hat, fehlt ja oft noch eine schicke Grill-Schürze. Dann klappt das auch mit dem Sommer.


Deshalb habe ich aus lauter Vorfreude neulich dieses Exemplar genäht: eine fast schon edle Grillschürze aus mittelfestem Leinen mit allem, was - zumindest beim hiesigen Grillmeister - so auf den Grill kommt.


Der Clou: sie hat zwei Seiten. Die dunklere für's Grobe ...


... und die helle Seite für "saubere" Arbeiten. Zum Beispiel der Herrin des Hauses vorab ein Zuschauer-Bier servieren oder so.

Mein Faible für zeitraubendes meditatives Schaffen ist bei dem Projekt auch nicht zu kurz gekommen; die Motive sind wie schon hier und hier wieder allesamt mit der Nähmaschine aufgenäht und von Hand auf der Stoffrückseite verknotet. Verwendet habe ich Jeansgarn, auf jeder Seite in der jeweils entsprechenden Farbe.
Für Vegetarier lassen sich die Grillgut-Bilder natürlich anpassen - wobei ich jetzt nicht genau sagen kann, wo beim Broccoli das Filetstück liegt.

 


Im nächsten Leben habe ich eine Nähmaschine die punktvernähen kann, ich schwör's ...
Das Schnittmuster ist übrigens ein Gratis-Download von hier; ich habe die Schürze trotz stattlicher 1,86 Körpergröße des Chefs etwa 10 cm gekürzt ... die Originallänge ist eher für Garten oder Schlachthof ...

Vielen Dank an Frau WollixundStoffix für die Idee des SaisonHerrMann, wo diesmal sommerliches Selbstgemachtes für den Mann gezeigt wird.

26. Mai 2014

How to pimp my Teller

"Du hast da 'n Fleck" sagte mein Mann vorhin.


Dabei hab' ich nur was gegen uni-farbene Röcke, zumindest wenn sie grau sind und auch der Schnitt keine nennenswerte Raffinesse vorzuweisen hat. Nichts gegen kombi-freundliche Basics, aber bei einer so großen leeren Fläche wie beim kürzlich genähten (und noch ungesäumten) Tellerrock kann ich nicht anders - ich muss sie gestalten.

Am liebsten sind mir grafisch reduzierte und einfache Motive; meine Skizze sah folgendermaßen aus:

Ein zartes Motiv sollte es sein, aus unregelmäßigen Linien und vereinzelten Punkten, die wie eine abstrakte Blumenwiese anmuten.

1. Schritt - Linien aufnähen
Ähnlich wie beim Weihnachtsrock, nur freihand ohne Stick-Skizze. In ca. 15 Minuten genäht, mit normalem 120er Garn, da der Stoff recht fein ist.


Die Nähte habe ich jeweils unterhalb der Saumlinie begonnen, was den Vorteil hat, dass die Naht dort mit Rückstich gesichert werden kann und später nach dem Säumen nicht mehr sichtbar ist.

2. Schritt - Nähte sichern
Besitzerinnen eine Nähmaschine mit der Funktion "Punktvernähen" können diesen Schritt auslassen. Meine Maschine hat sowas nicht.


Ich habe im Lauf der nächsten Tage in ca. einstündigen Etappen sämtliche Oberfäden einzeln mit der Nähnadel auf die Rückseite gezogen und dort mit den Unterfäden verknotet. Ersetzt problemlos jede Meditation.
Von nahem sieht die Kombination schwarzer Oberfaden/grauer Unterfaden übrigens ganz gut aus; die einzelnen Stiche sind dadurch schön definiert und wirken plastischer:



3. Schritt - Bügeln

4. Schritt - Bedrucken
Erstaunlich, wozu die Radiergummispitzen von Bleistiften gut sind (zum sauberen Radieren taugen sie nämlich meistens nicht) ... 

... mit dem Cutter also eine glatte Fläche geschnitten und wie beim guten alten Kartoffeldruck mit Textilfarbe bestrichen & aufgestempelt. Dabei gelernt, dass die Farbe von Marabu beim Trocknen nachdunkelt - beim nächsten Projekt kann entsprechend heller angemischt werden.

5.-7. Schritt - Fixieren, Säumen, Bewundern
Was für meinen Mann nur Flecken sind mag ich sehr gerne. Das Ergebnis hat eigentlich auch ein besseres Foto verdient - dafür ist es heute abend leider schon zu dunkel. Wird nachgereicht ...

 

14. Mai 2014

MMM in Miami Vice

Leuchtende Farben trage ich eigentlich gar nicht.


Manche Vorurteile halten sich ganz schön lange. Ihr kennt das vielleicht: egal wie schön ein Name klingt - die eigene Assoziation ist eine ganz andere. Die Wolle für dieses Jäckchen beispielsweise hat die ansprechende Farbbezeichnung Azalee, ich allerdings dachte sofort an aufgescheuchte Flamingos und Don Johnson in Pastell.


Der echte Farbton liegt irgendwo zwischen Koralle und Hummer und ist unfotografierbar. In einem mutigen Moment im Januar spontangekauft, sollte das ansonsten schön weiche Baumwollgarn ursprünglich mein Frühjahrsjäckchen werden, und zwar passend zu *diesem Kleid*. Kurz vor KAL bekam ich aber kalte Füße, und so musste die Freundschaft zu MiamiVice ganz langsam in der Tüte reifen.

Ein flächendeckendes Muster wäre mir bei der Farbe zu viel, glatt rechts zu langweilig gewesen. Die Lochmusterreihe entlang der Bündchen und Raglanärmel ist ein Kompromiss, mit dem ich sehr gut leben kann.

Lieber etwas schräge als zu lieblich: zum Schluß mit geranienroter Abschlußreihe und passenden Knöpfen versehen.


Ich bin überrascht, wie gut mir das Ganze steht, kann mein Vorurteil zurück in die 80er-Mottenkiste zu Sonny Crockett & Ricardo Tubbs packen und genieße die ausgesprochen stimmungsaufhellende Wirkung meines neuen Jäckchens.
Extra zum MMM übrigens kombiniert mit Katze und grauem Rock - ein halber Teller, letzten Samstag beim Nähtreff entstanden und noch ungesäumt. Macht aber nix, heute ist nämlich homeoffice-Tag.

Da kann ich später schön bei den anderen Damen vorbeischauen, die sich *hier beim MMM* versammelt haben!